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Geschichte

Die Drogerie

Eröffnung der Drogerie

1951

Eröffnung der Drogerie Seematte durch Bernhard von Arx an der Staatsstrasse 158

Umzug

1961

Drogerie Umzug ins Marina Haus, Staatsstrasse 138, und Namensänderung zu Drogerie Chartreuse

Geschäftsübernahme

1983

Geschäftsübernahme durch Sohn, Stefan von Arx

Totalumbau

1998

Totalumbau und Vergrösserung der Drogerie

Geschäftsübergabe

2020

Geschäftsübergabe an Isabelle Zaugg

Geschäftsvergrösserung

2022

Ehemalige Kioskfläche wird zu neuem Drogerie Verkaufsraum.

Totalumbau

2024

Totalumbau der Drogerie.

Warum Chartreuse?

Spätestens seit den Bauarbeiten im vergangenen Jahr kennt man die Chartreuse-Kreuzung, neu Chartreuse-Kreisel. Doch wer kennt die Geschichte hinter dem französischen Namen? Gemeinsam mit «thunensis» klären wir auf – in vier Kapiteln.

Restaurant Chartreuse, Drogerie Chartreuse, Chartreuse Garage, Chartreuse fleurs, Kindergarten Chartreuse etc . . . Wer an der rechten Thunerseeseite lebt, kommt am Namen Chartreuse nicht vorbei. Zumindest nicht am neuen Kreisel, der im vergangenen November fertiggestellt wurde.

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Namen Chartreuse? «Das Schloss Hünegg in Hilterfingen kennen alle», erklärt Lokalhistoriker Thomas Müller. «Dass es in der Nachbargemeinde Hünibach ein noch viel gigantischeres Schloss gegeben hat, ist nur wenigen bekannt.» Denn dieses Prunkschloss, stand trotz bester Lage von Anfang an unter einem schlechten Stern.

Das vom gebürtigen Thuner Thomas Müller gegründete Portal thunensis.com «erzählt Thuns Geschichte neu». Und damit auch die Geschichte des Schlosses Chartreuse in Hünibach. In vier Ausgaben werden unter anderem diese drei spannenden Fragen beantwortet:

  • Warum wurde das Schloss Chartreuse nur acht Jahre bewohnt und das lediglich von nur zwei Personen?

  • Welche Rolle hat der letzte deutsche Kaiser indirekt beim Niedergang des Schlosses Chartreuse gespielt?

  • Weshalb wurde 1941 der gesamte Mittelteil samt Schlossturm weggesprengt?

Die alte Kartause: hier eine Buchillustration, signiert von G. Roux.

Das Bächigut mit der Kartause wurde vom Schultheissen Niklaus Friedrich von Mülinen um 1807 gekauft. Als Geschichtsforscher kannte er die wechselvollen Schicksale des ganzen Besitzes und nannte deshalb die prächtig gelegene Campagne, das Bächi mit der Kartause, zur Erinnerung an den einstigen Klosterbesitz der Kartäuser von Thorberg, den er im Jahre 1819 zu Wohnzwecken umgestaltete, «La Chartreuse».

Unter anderem hat er den markanten Turm anbauen lassen. Ab 1821 diente ihm die Kartause als Landsitz. Der Staatsmann verband mit der Anspielung auf den Orden wohl auch die Hoffnung, hier eine Stätte der Stille und der Gelehrsamkeit zu errichten. Den Geist des Mittelalters atmete auch die neugotische, an Sakralbauten gemahnende Architektur des Landhauses. Im Turm errichtete von Mülinen die mit über 6000 gedruckten Werken damals umfassendste private Bibliothek der Schweiz. Während 10 Jahren empfing er alles, was Rang und Namen hatte, in der Chartreuse. Sie war ein Fixpunkt der europäischen Politik und Kultur.

1831 hat von Mülinen das Anwesen aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen verkauft, und zwar an den Pariser Bankier Rudolf Emil Adolf de Rougemont. Dessen Bruder, auch Bankier, hat übrigens sechs Jahre später das Schloss Schadau gekauft. Der neue Eigentümer der «Chartreuse» fügte grosse Neubauten von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden hinzu.

1844 ist de Rougement gestorben und hat das Anwesen seiner Frau überlassen. Diese hat bald darauf den Baron Albert Emil Otto von Parpart geheiratet. Die Chartreuse war den beiden etwas zu bescheiden, darum haben sie ab 1861 das Schloss Hünegg gebaut. Das Anwesen blieb aber in ihrem Besitz und wurde nach ihrem Tod 1883 mehrfach versteigert und nach einigen Wirren 1890 von Johann Gerber und seiner Frau Mathilde Flachs Gerber als zukünftiger Alterssitz für 250 000 Franken gekauft. Gerber starb aber unerwartet im Mai 1895 und das Anwesen wurde im Januar 1896 an den deutschen Adligen Baron Moritz Kurt von Zedtwitz für 400 000 Franken verkauft.Der Segelunfall von Baron von Zedtwitz.

Baron von Zedtwitz hatte 1895 Mary Elizabeth Caldwell, eine reiche Amerikanerin, geheiratet. Zedtwitz und seine Gemahlin erwarben das Gut «Chartreuse» in der Absicht, am Thunersee ein Schloss bauen zu lassen. Man kam überein, das Bauvorhaben oberhalb der alten Chartreuse am Hang des Hügels vor dem Bächihölzchen zu verwirklichen. Der Baron plante sogar, im Schlosspark einen Hafen anzulegen und diesen mit einem Kanal mit dem Thunersee zu verbinden. Die Bauleitung wurde Gabriel Seidl übertragen, dem begabtesten und gesuchtesten süddeutschen Baumeister seiner Zeit. Sämtliche Rohbauarbeiten wurden von Johann Frutiger (1848–1913), Baumeister in Oberhofen und Gründer der heutigen Frutiger AG, ausgeführt. Die alte Kartause wurde zunächst als Baubüro verwendet. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1896. Im gleichen Jahr wurde ihr Sohn Waldemar geboren.

Freiherr von Zedtwitz verreiste im August des gleichen Jahres nach England, um sich mit seiner Jacht «Isolde» an der grossen Regatta in Southsea zu beteiligen, an der auch die Jacht «Meteor» des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II., startete. Bei diesem Rennen wurde Zedtwitz Opfer eines Unfalls, als einige Jachten eng aneinander liefen und die «Isolde» des Freiherrn von Zedtwitz vom Bugspriet der «Meteor» stark beschädigt wurde. Ein herunterfallender Mast verwundete Zedtwitz schwer am Kopf; er starb, ehe die Dampfjacht «Bohemian», wohin er gebracht worden war, die Insel Wight erreichte. Die englischen Zeitungen behandelten das Ereignis in Leitartikeln. Königin Viktoria von England schickte ein Telegramm, in dem sie ihr Bedauern über das Unglück ausdrückte.Das einsame Prunkschloss

Die Bestürzung war gross, als die Kunde vom Tod des Bauherrn in Thun eintraf. Die Nachricht erschütterte Frau von Zedtwitz derart, dass sie monatelang unzugänglich blieb. Der Bau der neuen «Chartreuse» wurde vorerst unterbrochen. Am 13. November 1896 kam es an einer Sitzung im Freienhof in Thun zum Bruch zwischen der Freifrau und dem Architekten Seidl; der Bau wurde eingestellt.

Erst 1901 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen und durch den Architekten Ch. Mewös aus Paris fortgesetzt. Es ist Mewös anzuerkennen, dass er Seidls Entwurf nur unwesentlich abgeändert hat. Dagegen ist es leider nicht gelungen, den alten Landsitz des Schultheissen von Mülinen der Nachwelt zu erhalten. Schon zu Lebzeiten des Freiherrn von Zedtwitz hatte dessen Gemahlin den Wunsch ausgedrückt, das ehrwürdige Gebäude abreissen zu lassen. Der Abbruch geschah 1901 durch Baumeister Johann Frutiger. Am 11. April wurde der Turm, in dem sich einst die Bibliothek Niklaus von Mülinen befunden hatte, mit Dynamit gesprengt. Der Ausbau des neuen Schlosses und die Anlage des umgestalteten Parks wurden 1902 beendigt. Freifrau von Zedtwitz pflegte die Sommermonate mit ihrem Sohn Waldemar in der Chartreuse zu verbringen. Im Dezember 1910 stirbt auch die Baronin nur 45-jährig. Das Schloss geht in den Besitz ihres 15-jährigen Sohnes Waldemar über. Dieser wird wohl von seiner Familie in Deutschland grossgezogen, das heisst, das Schloss steht leer und wurde insgesamt nur während 8 Jahren und (abgesehen vom Personal) von lediglich zwei Menschen bewohnt. Nach dem Ersten Weltkrieg, wo er an der Schlacht von Verdun teilgenommen haben soll, emigriert Waldemar von Zedtwitz in die USA. Nur so kann er das Erbe seiner Mutter antreten. Er wird professioneller Kartenspieler.

Die explosive Rache der Idyll AG

Am 12. Juni 1933 verkauft Baron Waldemar von Zedtwitz seinen gesamten Besitz zum Preis von 2,5 Millionen Franken der Immobiliengesellschaft Chartreuse. Die neue Eigentümerin bezweckte «den Ankauf und Verkauf der Schlossbesitzung in der Gemeinde Hilterfingen und die Verwaltung der Liegenschaft sowie deren Parzellierung und Liquidation, die Anlage von Strassen und Wegen, den Abschluss von Kauf- und Pachtverträgen sowie die Vornahme aller Rechtshandlungen, welche mit der Schlossbesitzung Chartreuse zusammenhängen».

1934 pachtet Hedwig Müller die ehemlige Kutschengarage des Schlosses und eröffnet dort die erste Gartenbauschule für Mädchen. Am 16. Mai 1936 wird der obere Teil der Chartreuse-Besitzung, also das Schloss mit der Terrasse und dem Wald, an die Idyll AG verkauft. Kurz danach setzt ein Bauboom ein. Der Schlosspark wird mit Einfamilienhäusern zugebaut. Die Bächimattpromenade kann vom Uferschutzverband 1936 für die Allgemeinheit gerettet werden. 

Im Spätherbst 1936 plant die Idyll AG, Genf, den Wald zu Bauzwecken total abzuholzen. Dank dem Eingreifen von Gemeindepräsident und einem Kantonspolizisten kann die Tat verhindert werden. Im Anzeiger für den Amtsbezirk Thun vom 25. Oktober 1940 gibt die Idyll AG den «teilweisen Abbruch des mittleren Teils des Schlosses Chartreuse und Umbau der verbleibenden Seitenflügel in zwei voneinander unabhängige Objekte» bekannt. Als Rache, dass die Idyll AG das Wäldchen nicht abholzen durfte, sprengt sie am 8. Januar 1941 den gesamten Mittelbau des Schlosses, ohne den Gemeinderat von Hilterfingen zu orientieren, zum grossen Ärgernis der Bevölkerung. Während Jahren bleiben aber die beiden Flügel stehen und werden wieder bewohnt.

1965 werden die Schlossruinen als Abbruchobjekt durch die Luftschutztruppen abgeräumt. Halt, nicht ganz alle. Bis heute steht an der Staatsstrasse bei der Einmündung der Mülinenstrasse ein Rest des ursprünglichen Tores (Bild links) des Schlossparks. Man sieht ihn kaum, er ist fast vollständig verdeckt von Büschen, und doch erinnert er uns an das ehemalige Schloss. Ausserdem erinnern in Hünibach noch zahreiche Wege wie Mülinenstrasse, Schlossweg, Parkweg, Chartreusestrasse, Zedtwitzweg oder Rougemontweg sowie natürlich die Busstation «Chartreuse» an die Zeiten des ehemaligen Schlosses.